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Viennale 2007

Abschlussbericht:

Schlussbericht:

Die Filme waren dieses Jahr qualitativ besser und zum Teil auch leichter zugänglich, als das Gros sperriger Beziehungsdramen des letzten Jahres.

Die anwesenden Stars wie Jane Fonda, Hal Hartley, Todd Haynes, Nina Hoss, Cristian Mungiu oder Moritz Bleibtreu können zwar mit dem Bekanntheitsgrad des Staraufgebots anderer Festivals wie der Berlinale oder Venedig nicht mithalten, versprühten aber trotzdem einen Hauch von internationalem Filmhimmel.

Bilanz:

(Quelle: www.viennale.at)

Mit 91.700 ZuseherInnen haben mehr Menschen als je zuvor das Festival besucht. Im Vorjahr betrug die Besucherzahl im Vergleich 88.900.
Von den insgesamt 321 Kinovorführungen waren 126 ausverkauft. Die Gesamtauslastung stieg von 78,40% im Vorjahr auf 79,20% bei der VIENNALE 2007. Interessant in diesem Zusammenhang ist der Vergleich an aktuellen Spiel- und Dokumentarfilmen. Lagen diese im Vorjahr noch gleich auf, so betrug 2007 die Auslastung der Spielfilme 84,3%, die Dokumentarfilme kamen auf 76,7%.

Fünfter Festivalbericht :

Persepolis

Bei der Verfilmung des autobiografischen Comics von Marjane Satrapi, in dem sie ihre Lebensgeschichte veröffentlichte, ist die Autorin auch an der Regie beteiligt. Zusammen mit Vincent Paronnaud wurde der Comic äußerst gelungen in einen Animationsfilm verwandelt. Marjane ist acht Jahre alt, als 1979 die islamische Revolution die iranische Gesellschaft verändert. Während des iranisch-irakischen Krieges, begeistert sich die junge Teheranerin für die popkulturellen Auswüchse des Westens. Ihre Eltern, die sich vom Regime zunehmend bedroht fühlen, schicken ihre 14-jährige Tochter nach Wien. Die junge Iranerin wandert von einer Unterkunft in die andere und schlittert in persönliche Abenteuer und Katastrophen. Schließlich wird sie von Heimweh befallen und kehrt zurück nach Teheran. Dort versucht sie sich erfolglos zu integrieren. Im Alter von 33 Jahren emigriert sie schließlich nach Frankreich.

Der Film schafft es Humor und Tragik in selten gesehener Kohärenz zu vereinen. Es gelingt eine dramaturgische und visuelle Bewegungsdichte, gänzlich ohne Leerstellen. Trotz simpel anmutender Animationen bleiben die visuellen Gestaltungen eindringlich.

Die politischen Veränderungen Irans werden größtenteils aus der pessimistischen Sicht der gebildeten Klasse gezeigt. Eine durch Ironie gekennzeichnete Distanz zum eher tristen Geschehen erlaubt dem Film trotz oberflächlich düsterer Erscheinung eine enorme Leichtigkeit zu erzeugen. Dem Werk umgibt eine Eigenständigkeit, die sich möglicherweise mit keinem anderen Animationsfilm der letzten Jahre vergleichen lässt und für viele ZuseherInnen ein neuartiges Filmerlebnis bedeuten dürfte.

Free Rainer

Der österreichische Regisseur Hans Weingartner zählt zu den vielversprechendsten Figuren des deutschsprachigen Films. Nach seinen beiden ersten Filmen „Das weiße Rauschen“ und „Die fetten Jahre sind vorbei“ in denen jeweils Daniel Brühl die Hauptrolle einnahm, legt er nun mit Free Rainer sein neuestes Werk vor.

Rainer (Moritz Bleibtreu) will nach einem beinahe tödlich verlaufenen Autounfall sein leben neu gestalten. Er hat bisher billige, niveaulose Fernsehshows produziert und scheint aufgrund mangelnder Recherchen über einen Tauchlehrer an dessen Suizid mitschuldig zu sein. Er will von nun an auf Tatsachen basierendes Wissen vermitteln, scheitert aber bald aufgrund schlechter Quoten. Sein nächstes Ziel ist die Sabotage der deutschen Quotenregelung, um das Interesse auf gute Sendungen zu richten. Der ganze Fast-Food-TV-Müll soll von den Bildschirmen verschwinden.

Weingartner schafft mit „Free Rainer“ eine Satire, die Leute zu einer Selbstreflexion über ihren eigenen TV-Konsum anregen sollte. Es wird auf plakative, aber effiziente Weise klar gemacht, was in der Medienlandschaft alles falsch läuft und wie sehr dies die niedrig gebildeten Schichten der Gesellschaft trifft. Die Macht der Medien soll begrenzt werden und unterlaufen werden. Mit wunderbarer Situationskomik, wichtiger Botschaft und guten schauspielerischen Leistungen (besonders Moritz Bleibtreu und Gregor Bloéb) kann der Film überzeugen. Leider wird sich das TV-Verhalten der Menschen durch den Film auch nicht ändern, auch wenn es noch so wünschenswert wäre.

Matthias Hüthmair (matthias_huethmair@filmnews.at)

Vierter Festivalbericht:

4 Months, 3 Weeks and 2 Days (4 LUNI, 3 SAPTAMÂNI SI 2 ZILE)

Der in diesem Jahr mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnete Film von Cristian Mungiu ist möglicherweise das psychisch intensivste Erlebnis der diesjährigen Viennale. Die im fünften Monat schwangere Studentin Gabita entschließt sich zu einer späten Abtreibung. In Rumänien im Jahre 1987 droht durch das Verbot von Abtreibung eine schwere Gefängnisstrafe.

Die Ceausescu-Diktatur greift hier hart durch und somit muss sie es fern legaler oder sicherer Wege versuchen. Mit Hilfe einer großen Menge geliehenen Geldes soll ihr ein Kurpfuscher in einem trostlosen Hotelzimmer helfen. Otilia, ihre Mitbewohnerin im Studentenheim, soll ihr dabei beistehen. Vor Beginn der Abtreibung läuft einiges schief: Gabita hat falsche Angaben bezüglich der Dauer der Schwangerschaft gemacht, sie hat zu wenig Geld dabei etc. Gegen Liebesdienste beider Frauen lässt sich der Mann doch noch zur Abtreibung entschließen.

Während der oberflächlich betrachtet spannendsten Momente, also kurz nach dem Abtreibungsvorgang, blendet der Regisseur für lange Zeit weg vom Geschehen. Die Kamera ist lieber beim Geburtstagsessen des Freundes von Otilia dabei, da diese sich vom Hotelzimmer für ein paar Stunden entfernt hat. In einer atemberaubenden langen Einstellung, die auch dramaturgische Wirkung hat, werden das Essen und die Tischgespräche dokumentiert: alle Personen in guter Laune, nur Otilia, in der Mitte sitzend, ist permanent mit ihren Gedanken abwesend, in einer Mischung aus Trauer, Furcht und Abneigung dem ganzen Geschehen gegenüber. Dieses in diesen Szenen herrschende Nichtwissen über den Zustand Gabitas erzeugt auch bei den BetrachterInnen des Films ein seltenes Gefühl von Bedrücktheit: die Auflösung erfolgt erst, als sie wieder in das Hotel zurückkehrt.

Es ist wahrlich harter Tobak, was Mungiu uns hier vorsetzt, nichts wird verschleiert und die Situation wird immer bedrückender. Die erste halbe Stunde ist noch relativ ruhig und langsam aufgebaut. Die wunderbare Kameraführung wird bereits erkennbar, hält sich aber noch etwas zurück. Danach gewinnt der Film an einer nur schwer in Worte fassenden Kraft, die sich aus einem Fingerspitzengefühl für Atmosphäre, Kamera und Handlungsentwicklung zusammensetzt.

Wie es der Regisseur hier schafft in höchst durchkomponierten Szenen beinahe gar keine Schnitte zu setzen, ist ein Zeichen ganz großer Filmkunst. Es wird auf visueller Ebene eine bedrückende, atmosphärische Spannung aufgebaut, die auch in den wenigen Außenszenen ein Gefühl von zu geringem Freiraum und Einengung vermittelt.

Hotel Very Welcome

Mit Hotel Very Welcome legt Sonja Heiss ihren Abschlussfilm in der Abteilung Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der HFF München vor. Dem Werk ist die bisher noch geringe Erfahrung der Regisseurin nicht anzusehen. Der Film begleitet durch Indien und Thailand reisende europäische Touristen. Ihre Erfahrungen sind zwar sehr unterschiedlich, doch verbindet sie alle ein gewisser Freiheits- und Erfahrungsdrang der für viele Asienurlauber repräsentativ ist.

Liam, ein sympathischer Ire, möchte das echte Indien kennenlernen, was ihn gedanklich aber nicht ganz von einer von ihm schwangeren Frau zu Hause ablenken kann . Die Deutsche Marion reist währenddessen in eine Meditationsstätte für westliche Sinnsuchende und versucht dort ein inniges Glücksgefühl zu erlangen. Joshua und Adam, zwei junge Briten, versuchen ihr Glück mit Meer, Natur und Party. Da Adam früh merkt, dass er kein Geld mehr auf seinem Konto hat, wird er finanziell auf Joshua angewiesen, was auch einer der Gründe ist für den allmählichen Bruch ihrer Freundschaft. Svenja, eine junge deutsche Frau, versucht einen Flug zu buchen, scheitert aber mehrmals an der fehlenden Englischkompetenz eines Telefonisten in der Buchungsabteilung.

Die Geschichten sind allesamt unterhaltsam, nur im letztem Drittel wird die Story etwas schwächer und die Figuren auch ein wenig orientierungslos. Der Film ist durchwegs leichte Kost und besticht durch seine ausgefeilte Situationskomik. Die nie langweilig werdenden semidokumentarischen Aspekte geben ein vertrauliches Nähegefühl zu den Charakteren. Die Anwesenheit der Kamera ist fast nicht spürbar und die durchwegs guten schauspielerischen Leistungen runden das erfreuliche Filmereignis ab.

Die Natürlichkeit von Eva Löbau (Marion), der Witz und die Ausstrahlung des irischen Schauspielers Chris O'Dowd, der den irischen Liam verkörpert, sind hier besonders hervorzuheben.

Der Film ist das Gegenteil von romantischer Verklärung von Urlaubserlebnissen, denn in all den komödiantischen Vorgängen, liegt auch eine tiefere Tragik verborgen.

Matthias Hüthmair (matthias_huethmair@filmnews.at)

Dritter Festivalbericht:

La Fille coupée en deux (Die zweigeteilte Frau)

Der neue Film des französischen Altmeisters Claude Chabrol spielt in Lyon, wo die bei einem Lokalsender als Wetteransagerin und später als Moderatorin arbeitende Gabrielle (Ludivine Sagnier ) zur Begierde zweier Männer wird. Als der um etwa zwanzig Jahre älter Schriftsteller Charles eines Tages als Interviewgast bei ihrem Sender eingeladen ist, verknallt sie sich in den weltlichen Mann. Der attraktive und einfach gestrickte junge Erbe Paul ist jedoch auch Kopf über Ohren in die attraktive Gabrielle verliebt. Sie ist zuerst an den erfahrenen Schriftsteller interessiert, wird von diesem aber nicht mit der angemessenen Aufmerksamkeit und Liebe behandelt. Letztlich haben beide Männer keine weiße Weste und Gabrielle wird zusehends unglücklicher mit ihrer Lage. Auf Pauls Seite entsteht enorme Eifersucht, die er irgendwie entladen muss.

Die Handlung erfährt hier nur wenig Entwicklung und die Protagonisten werdem zwar näher gebracht, scheinen jedoch vor allem im Mittelteil auf der Stelle zu treten. Eine nicht gerade neuartige Geschichte und die teils überzeichneten Charaktere beeinträchtigen zwar das Sehvergnügen, doch die bewährte Regie, gute Darstellungen und pointierte Dialoge können dessen ungeachtet für nette Unterhaltung sorgen. Der Film hätte sein Potenzial zwar mit Sicherheit effizienter ausschöpfen können, aber der 77-jährigen Ikone Chabrol darf auch Nachsicht gewährt werden.

Import Export

Zur Gänze in der Winterzeit gedreht, konzentriert sich Ulrich Seidls analytischer Blick in zwei parallelen Handlungssträngen auf die grenzenüberschreitenden Erfahrungen zweier junger Menschen, der Ukrainerin Olga und des Österreichers Paul.

Import: Die junge Krankenschwester und Mutter Olga hat genug vom hoffnungslosen Leben in der Ukraine und will in den Westen gehen. Dafür muss sie ihre Tochter und ihre Mutter zurücklassen. Einen Job als Haushaltsgehilfin verliert sie sehr bald wieder und arbeitet danach als Putzfrau in einer Geriatrie. Dort wird sie von der verantwortlichen Krankenschwester nicht unbedingt freundlich empfangen.

Export: Gerade in einem Einkaufszentrum als Security-Wachmann angefangen, verliert Paul seinen Job wieder. Er hat seine Freundin verloren, hat überall Schulden und weiß nicht wie er diese begleichen soll, da er keine Arbeit findet. Sein Stiefvater, der selbst nicht ganz lupenrein ist, nimmt ihn mit auf einen Job in die Ukraine, um dort Spielautomaten aufzustellen. Die Arbeitsreise gerät für beide sehr bald zu einem Erlebnis der besonderen Sorte.

Wie schon bei Hundstage gibt es durch die oft statische Kamera wenig künstliche Bewegung in den Bildern. Der semidokumentarischer Stil des Österreichers bewirkt eine unverfälschte Darstellung der tristen Verhältnisse in Österreich und in der Ukraine. Hier kommt es zu teils exlpliziten pornografischen Szenen, die aufgrund der zuvor etablierten Empathie zu den Personen eine ergreifende Härte einnehmen. Die Realitätsnähe zeigt ohne jegliche spielfilmartige Filter die Grauheit und Zukunftslosigkeit der Individuen. Doch in dieser Ernsthaftigkeit kommen immer wieder komische Situationen und Gespräche des Alltags zum Vorschein. Die Herstellung nachvollziehbarer Analogien zwischen den beiden unterschiedlichen Lebensverhältnissen in Österreich und der Ukraine ist einer der großen Verdienste des Films.

Matthias Hüthmair (matthias_huethmair@filmnews.at)

Zweiter Festivalbericht:

Mit Actrices kann sich Valeria Bruni-Tedeschi für eine angenehm leicht zugängliche Komödie verantwortlich zeigen und dabei auf autobiografische Elemente zurückgreifen. Die Regisseurin und Hauptdarstellerin spielt die Theaterschauspielerin Marcelline, die ebenso wie die Regisseurin franko-italienisch ist und auch die Rolle von ihrer Mutter im Film wurde von Bruni-Tedeschis realer Mutter übernommen. Der Film präsentiert sich auf eine Weise locker und vielschichtig als hätte Woody Allen einen Ausflug in den französischen Film unternommen. Der Stadtneurotiker ist allerdings hier eine Schauspielerin namens Marcelline, die in eine Sinnkrise stürzt und sich zusehends verloren fühlt in beruflicher und privater Situation. Nachdem sie Probleme hat in ihre aktuelle Rolle in einem Theaterstück zu schlüpfen, erfährt sie von ihrer Gynäkologin auch noch, dass sie in ihrem Alter nicht mehr lange warten solle, um ein Kind zu bekommen. Bei den Proben zum Stück und auch in ihrem Privatleben gerät alles aus den Fugen. Sie kann sich nicht konzentrieren, ist in ihren Gefühlen hin und hergerissen und glaubt unbedingt schwanger werden zu müssen. Amüsante Dialoge und eine wundervolle Besetzung mit Größen wie Louis Garrel, Mathieu Almaric und der für das Drehbuch mitverantwortlichen Noémie Lvovsky bieten einen humorvollen und unverfrorenen Einblick in die Konsequenzen privater Verstrickungen in den beruflichen Alltag von SchauspielerInnen. Die existentielle Krise von Marcelline, die in direktem Zusammenhang mit ihrem Liebesleben steht, beschert obendrein auf nonchalante Weise einen tieferen Sinn, der bei Komödien häufig auf der Strecke bleibt.

Der Ausflug nach Frankreich wird mit La question humaine (Der Wert des Menschen) von Nicolas Klotz fortgesetzt. Es ist die Adaption des gleichnamigen Romans von François Emmanuel und zugleich der dritte Teil einer Trilogie über die Brutalität der Welt von heute, die mit Paria und La Blessure begonnen hat. Der Grund warum im deutschen Titel question mit Wert und nicht mit Frage übersetzt wurde liegt an der falschen Übersetzung des Buchtitels.

Der als Psychologe in der Personalabteilung eines petrochemischen Konzerns arbeitende Simon wird von Mathieu Almaric verkörpert, den wir bereits aus Actrices kennen. Seine Vorgesetzer Karl Rose (Jean-Pierre Kalfon) beauftragt ihn mit Nachforschungen über den Generaldirektor Mathias Just (Michael Lonsdale). Es sind Zweifel an dessen geistigen Gesundheit aufgekommen. Es heißt er schließe sich beispielsweise in den Dienstwagen ein, um lyrische Musik zu hören.
Hier hat alles zwei Seiten, denn unter der im beruflichen Alltag zu sehenden Maske der Geschäftsmänner treten im Privatleben unerwartete Charakterzüge hervor. Auch Simon ist einerseits ein leistungsorientierter Geschäftsmann, der Entlassungsentscheidungen mit rationalen Kriterien rechtfertigt und sich unter Kontrolle hat. Am Wochenende gibt er sich seinen Trieben hin und versetzt sich nachts in hemmungslose Rauschzustände. Seine Freundin versteht ihn immer weniger, greift doch beim Fortschreiten seiner Nachforschungen sein Beruf immer stärker in seine Freizeit ein. Die persönliche Vergangenheit wird seinen als Rivalen agierenden Vorgesetzen Rose und Just zur Last und die Verstrickungen werden immer komplexer. Es werden zusehends philosophische Fragen über die Stellung menschlicher Werte aufgeworfen und dabei haarsträubend nachvollziehbare Analogien zwischen Kapitalismus und NS-Zeit hergestellt, vor allem auf kommunikativer Ebene. Es kommt zu einem Intrigenspiel in dem Simon zum Spielball wird, der durch anonyme Briefe aber Informationen von außen erhält.

Der Film hat bei einer Laufzeit von 143 Minuten zwar seine Längen, doch davon wird das positive Gesamtbild nur in geringem Ausmaß beeinträchtigt. Durchwegs hervorragende schauspielerische Leistungen, eine akkurate Charakterzeichnung und der kritische Blick auf die kapitalistische Gesellschaft können ein anspruchsvolles Erlebnis sichern. Der Film wird voraussichtlich im Jänner 2008 in den österreichischen Kinos anlaufen.

 

 

Matthias Hüthmair (matthias_huethmair@filmnews.at)

Erster Festivalbericht:

Der diesjährige Eröffnungsfilm Klute, der aufgrund des Jane Fonda Specials gezeigt wurde, war keine Novität, sondern ein Klassiker des Thrillergenres aus dem Jahre 1971. Hiermit wurden wohl einige alteingesessene Viennalebesucher enttäuscht, gab es doch in den letzten Jahren so hochkarätige Eröffnungsfilme wie Match Point, Lost in Translation etc.

Das Programm ist dieses Jahr dafür allgemein etwas vielschichtiger und ausgewogener gestaltet, wodurch auch einige wirklich große Highlights noch auf uns zukommen werden.

Der am Samstag in Österreich uraufgeführte, in Deutschland aber schon seit Monaten in den Kinos laufende Film Prinzessinnenbad konnte in vielfacher Form überzeugen. Zwar könnte ganz trivial behauptet werden: ein Film über ein paar jugendliche Mädchen in einer Großstadt (hier Berlin) ist thematisch wenig ansprechend, da für diese Erfahrung doch nur ein aufgeschlossener Blick im täglichen Stadtleben notwendig ist. Der Film kann jedoch einen viel tieferen und unterhaltsameren Blick in das Leben dieser sich als starke Frauenfiguren präsentierenden Mädchen gewähren. Klara, Mina und Tanutscha sind Freundinnen, die gerade in der Übergangsphase zwischen Schule und Beruf sind und viel Zeit miteinander verbringen. Die drei Mädchen nehmen kein Blatt vor den Mund und reden ganz offen über das abendliche Fortgehen, Sex oder Männer. Es wird hier eine ergreifend authentische Atmosphäre geschaffen, was auch an der an das Direct Cinema erinnernden Machart liegt. Die Protagonistinnen werden auf durchwegs unverfälschte und ehrlich anmutende Weise dargestellt, was aus der permanenten Nähe und gleichzeitigen Nichtbeachtung der Kamera resultiert. Das im Berliner Bezirk Kreuzberg liegende Prinzenbad war in erweiterter Form die Vorlage für den Titel des Films. Kreuzberg nimmt auch einen nicht unerheblichen Part ein in dieser lockeren, sympathischen Milieustudie.

Der dieses Jahr auf der Berlinale gezeigte Dokumentarfilm der Regisseurin Bettina Blümner konnte sehr schnell die Herzen der Zuseher gewinnen und wurde in Deutschland ein beachtlicher Erfolg an den Kinokassen.

Die beiden letzten Dokumentarfilme Der Wadenmesser und Der Schnitt durch die Kehle oder Die Auferstehung des Adalbert Stifter des Regisseurs Kurt Palm porträtierten beide verschiedene Lebensaspekte der zwei großen in der österreichischen Gesellschaft anerkannten Künstler Mozart und Stifter. Nun hat sich Palm dem kontroversiellen Hermes Phettberg gewidmet, der auch in einigen Theaterstücken Palms und in der von ihm produzierten TV-Show Phettbergs nette Leit Show tonangebend war. In Hermes Phettberg, Elender wird dem in der breiten Öffentlichkeit schon wieder vergessenen und nun in Bescheidenheit lebenden Phettberg Reverenz erwiesen. Der Terminus Phettberg trifft nun eigentlich nicht mehr zu, hat der gute Herr doch mittlerweile so viel Gewicht verloren, dass er beinahe nicht mehr wiederzuerkennen ist. Nach seinem zweiten Schlaganfall hat er sich auf ein besseres, gesünderes Leben eingeschworen. Nur sind die gesundheitlichen Vorfälle nicht ganz spurlos an Hermes vorbeigegangen, wirkt er doch nun nicht mehr so eloquent und aufgeweckt wie früher.

Diverse Ausschnitte aus Phettbergs Jugend, aus TV-Shows, Theaterstücken und einer aktuellen Begegnung zwischen Palm und Hermes Phettberg geben der Dokumentation eine sehr unterhaltsame Note. Das extremst geringe Budget von 150.000 Euro wurde effizient genützt, ist aber auch der Grund für so manche qualitative Mangelerscheinung in Bild und Gestaltung. Es ist ein würdevolles Porträt, wobei bei Herrn Phettberg das Wort Würde auf ablehnende Reaktion stoßen dürfte.

Neben Kurt Palm war auch Hermes Phettberg beim Screening im Gartenbau anwesend. In der anschließenden Diskussion kam es immer wieder zu unterhaltsamen Einwürfen Phettbergs. Es überwiegte aber sein ständiges Monieren über die ihm entgegengebrachte Vernachlässigung von allen Seiten, seine Verlorenheit und Zukunftslosigkeit in der künstlerischen Arbeitswelt. Als Starttermin für die Kinos gilt Dezember.Matthias Hüthmair (matthias_huethmair@filmnews.at)

Weitere Infos: www.viennale.at

Matthias Hüthmair (matthias_huethmair@filmnews.at)