Viennale 2006
Endbericht:
Iklkimler (Climates)
Der international renommierte Regisseur Nuri Bilge Ceylan konnte nach Uzak (2002) erneut einen genau durchdachten und schönen Film gestalten. Er schrieb eine Trennungsgeschichte zwischen einem Archäologieprofessor namens Isa (gespielt vom Regisseur) und seiner Frau Bahar(gespielt von Ceylans Frau Ebru Ceylan), die als Fernsehproduzentin arbeitet. Nach mehreren Monaten der Trennung besucht Isa seine Frau bei Dreharbeiten und versucht sie zurück zu gewinnen.
Es wird lediglich auf die Symptome der Beziehungskrise eingegangen, während die genauen Ursachen fast gänzlich unerklärt bleiben.
Ceylan schafft es in seiner Bildsprache inhaltlich und ästhetisch perfekt aufeinander abgestimmte Einstellungen herzustellen, so als wäre jedes einzelne Bild auf den jeweiligen inneren Zustand der Protagonisten abgestimmt. Trotz langer, teils sehr statischer Einstellungen wird so eine Spannung erzeugt, die bei einem solch elegischen Thema eher Seltenheitswert hat. Gesten und Blicke sagen in diesem Film oft mehr als Worte, sind sie doch vor allem auch ehrlicher als diese. Ceylan darf zu den ganz wenigen großen, eigenständigen, europäischen Filmemacher gezählt werden.
Eine kleine Schlussbemerkung zur Viennale:
Die Viennale erreichte auch dieses Jahr wieder einem neuen Besucherrekord, nämlich mit 88.900 Besuchern. Unter den 313 Screenings gab es heuer 114 ausverkaufte Vorstellungen.
Quantität sagt ja bekanntlich nichts über Qualität. So war das ausgewählte Programm dieses Jahr auch von vielen sehr langatmigen Beziehungsdramen durchsät und mit Sicherheit weniger gelungen als letztes Jahr. Nichts gegen Beziehungsdramen (Siehe meine Kurzkritiken zu Nue propriété und Iklimler), aber etwas mehr Vielfalt hätte der Filmauswahl sicher nicht geschadet. Hier ist nicht nur vom Spektrum der europäischen Filme die Rede. Ein guter Film muss nicht anspruchsvoll sein in langweiliger Weise, denn lange Einstellungen und der Verzicht auf viele Kamerabewegungen, wie sie bei diesen Filmen häufig zu sehen waren, können auch Aufmerksamkeit erregen, wenn Komposition und Inhalt stimmt.
Natürlich gab es auch viele herausragende Filme, die sich sehr positiv vom Rest abgehoben haben. Unter den Gästen gab es heuer leider keine großen Namen, was nicht wundert, da sich Hans Hurch offensichtlich noch einmal um eine Spur weiter vom kommerziell erfolgreichen Kino entfernt hat.
Es bleibt zu hoffen, dass sich von den Verantwortlichen niemand auf den Lorbeeren der hohen Besucherzahlen ausruht, sondern versucht wird, das Programm nächstes Jahr doch etwas vielschichtiger zu gestalten.
Matthias Hüthmair (matthias_huethmair@filmnews.at)
Vierter Festivalbericht:
Dans Paris
Die auf eine gerade zerbrochene Liebe folgende Depression eines jungen Mannes und der Rückzug zu seiner Familie in Paris stehen im Mittelpunkt des neuen Films von Christophe Honore. Ganz ohne ein bei diesen Themen häufig anzutreffendes Übermaß an Melancholie, sondern mit genauem, psychologischem Feingefühl schafft es der Regisseur seinen depressiven Protagonisten Paul (Romain Duris) unheimlich sympathisch dahinschmollen zu lassen. Sein lebensfroher Bruder Jonathan (Louis Garrel) stellt hier die komplementäre Polarität dar, denn während Paul nicht aus seinem Zimmer kommt, schläft Jonathan an einem Nachmittag mit drei verschiedenen Frauen. Trotz der scheinbaren Ernsthaftigkeit des Themas schafft es Dans Paris eine angenehme, realistische Leichtigkeit zu bewahren. Markante, unterhaltsame Dialoge, ein jazziger Soundtrack und der Verzicht auf unnötiges Philosophieren über die bei solch einem Ausgangspunkt immer wieder auftauchende Frage über den Sinn des Lebens sind nicht hoch genug einzuschätzende Qualitäten.
A fost sau n-a fost? (12:08 east of bucharest)
Sechzehn Jahre nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes wird in einer Fernsehsendung an die Revolution von 1989 gedacht. In einer kleinen Stadt außerhalb Budapests ist der Sitz des Fernsehsenders, dessen Eigentümer und Moderator (Teodor Corban) im Zuge einer Sendung die Frage nach einer auch in Kleinstadt vorhandenen Revolution aufrollt. Seine zur Diskussion geladenen Gäste sind ein alter, versoffener Professor, der behauptet bei der Revolution am Hauptplatz der Stadt gewesen zu sein und ein zynischer, gelangweilter Pensionist.
Der erste Akt des Films ist zwar etwas langsam und von eher trockenem Humor durchzogen, dafür ist der Rest eine Tour de
Force über schlechtes Fernsehen, das Komikpotential unterschiedlicher Meinungen und verbaler Angriffe.
Wie die Wahrheit durch das Gedächtnis in diesen Jahren zerflossen ist, wird hier auf komische Weise durchleuchtet. Neben der schlechten Kameraführung während der Show sorgen auch die widersprüchlichsten Aussagen zwischen Anrufern und dem Professor für herrlich köstliche Unterhaltung.
Ja, es konnte wieder einmal bewiesen werden, dass die originellsten Komödien der letzten Jahre dem mit Unbekümmertheit strotzenden osteuropäischen Humor entstammen. Das hat wohl auch die Jury von Cannes so gesehen und gab dem Film die Goldene Kamera für den besten Erstlingsfilm.
Sicilia! (Der diesjährige Überraschungsfilm)
Eigentlich wollte der Viennale-Direktor Hans Hurch den heurigen Venedig-Gewinner Still Life von Jia Zhang-ke spielen. Der Tod von Danièle Huillet kurz vor dem Beginn der Viennale ließ ihn aber umplanen und so schob er stattdessen den sieben Jahre alten Film Sicilia! des Regiepaares Straub/Huillet ein.
Natürlich sollte berechtigterweise ihr Schaffen gewürdigt werden. Doch angesichts der in den ersten Minuten der Vorführung aus dem Kino hinausströmenden Menschenmengen muss man sich die Frage stellen, ob das die richtige Entscheidung war. Wäre es nicht sinnvoller gewesen ein zusätzliches Screening zu veranlassen? Filmenthusiasten, denen der Tod von Huillet nahe gegangen ist, hätten eine solche Vorführung auch besucht. So wurde ein Publikum enttäuscht, das sich eigentlich auf eine ähnlich leichte Kost gefreut hat, wie es die letzten Überraschungsfilme alle waren.
Matthias Hüthmair (matthias_huethmair@filmnews.at)
Dritter Festivalbericht:
Honor de cavalleria
Albert Serra drehte einen Film der ansatzweise auf Miguel Cervantes' Don Quijote basiert. Warum er den Film nicht auf Spanisch sondern Katalanisch gedreht hat, begründet Serra in dem der Vorführung gefolgtem Publikumsgespräch lediglich damit, dass die Schauspieler auch Katalanisch sprechen können. Nur wenige Worte werden gewechselt, während die beiden Protagonisten Don Quijote und Sancho Panza in langen, aber ästhetischen Einstellungen durch La Manche reisen. Die geringe Anzahl an Dialogen kann dafür mit Wortwitz und einer bodenständigen, christlichen Philosophie auftrumpfen. Die beiden Charaktere haben eine menschliche Nähe zueinander, in der das gegenseitige „für einander da sein“ eine neue Bedeutung bekommt. Quijote versucht Sancho den richtigen, gottverbundenen Lebensweg aufzuzeigen, damit der nach seinem Tod in seine Fußstapfen steigen kann.
Ein Film, der bei uns wohl niemals im Kino laufen wird. Ob das schade ist, hängt davon ab in welchem Ausmaß sich der Zuseher in eine Welt einfühlen kann in der die Zeit beinahe stillzustehen scheint.
Nue propriété
Der in Venedig für den Goldenen Löwen nominierte Spielfilm von Joachim Lafosse ist eines der feinfühligsten Familiendramen der letzten Jahre. Die großartige Isabelle Huppert spielt die geschiedene Mutter Pascale, die mit ihren Söhnen Thierry (der aus L’enfant bekannte Jérémie Renier) und François (Yannick Renier) in einem prachtvollen Landhaus lebt. Sie ist eine Mutter ganz ohne Freiheiten, die sich für ihre Kinder abmüht und sich letztendlich entschließen möchte das Haus zu verkaufen und mit ihrem Freund wegzuziehen. Die beiden Renier Brüder können durch ihre reale familiäre Beziehung ihr ganzes Potential ausschöpfen, was besonders für die von Jérémie Renier gespielte sehr extrovertierte Person Thierry gilt. Sein Erscheinung ist von stark despotisch geprägten Zügen durchsetzt und er ist es auch der der geplanten Entscheidung der Mutter am meisten entgegensetzt.
Eine dysfunktionale Familie die durch die Mutter immer spärlicher zusammengehalten wird, da sie der Kraft der beiden Söhne nicht mehr länger standhalten kann. Thierry ist darauf aus den Status Quo zu bewahren und schätzt die Leistungen seiner Mutter nicht in angemessenem Ausmaß, da er finanziell immer noch von seinem Vater versorgt wird.
Selten wird ein Drehbuch psychologisch und dramaturgisch so dicht, unkonventionell, realitätsnah und unaufdringlich umgesetzt. Lange Einstellungen und eine häufig statische Kamera können durch die bildinhaltliche und narrative Dichte dennoch ein permanentes Spannungsfeld erzeugen. Der junge Regisseur Lafosse muss als eine wichtige Stimme im gegenwärtigen europäischen Kino wahrgenommen werden, eine Stimme die auch in Zukunft einiges erwarten lässt.
Österreichischer Kinostart ist im Jänner 2007
Matthias Hüthmair (matthias_huethmair@filmnews.at)
Zweiter Festivalbericht:
Eines gleich vorneweg: der ganz große Lichtblick war bisher noch nicht dabei unter den europäischen Filmen, aber die meisten Hoffnungsträger erwarten uns erst in den kommenden Tagen.
Toi et moi
Als angenehm leichte Kost darf der nun zweite Spielfilm von Julie Lopes-Curval bezeichnet werden. Das kann auch als freudige Abwechslung des ansonsten teilweise eher anspruchsvollen Programms betrachtet werden.
Ariane (Julie Depardieu) schreibt die Texte zu Fotoromanen, während ihre Halbschwester Léna (Marion Cotillard) eine Cellistin ist. Beide gehen durch verschiedene Liebesprobleme und erleben Sehnsüchte, die sich nur schwer befriedigen lassen. Auf der Seite von Ariane ist der Freund Schuld an den Problemen und bei Léna stellt sich ein anderer Musiker als bevorzugter Lebenspartner heraus, was sich aber mit ihrer momentanen Beziehung nicht vereinbaren lässt.
Wie nahe Trauer und Freude beieinander liegen, wie unergründlich die Liebe ist zeigt die Realität im Leben der Schwestern. Immer wieder dazwischen geschnittene Phantasiefotos, die wunderbar kindlich, kitschig, aber wünschenswert einfach die Welt in Arianes Fotoromanen widerspiegeln, sorgen für komische Abwechslung.
Tiefgründiges darf sich hier niemand erwarten, aber dafür eine kurzweilige, wohlige Unterhaltung. Julie Depardieu (ja sie ist die Tochter von Gérard Depardieu) besticht durch einen frischen, komödientauglichen Darstellungsstil. Sie wirkt als würde sie neuen Wind in zukünftige französische Komödien hauchen können.
Bled Number One
Im Gegensatz dazu ist Bled Number One etwas härterer Tobak. Kamel (gespielt vom Regisseur Rabah Ameur-Zaïmeche) kehrt aus Frankreich nach Algerien zurück und muss sich mit der hier herrschenden religiösen Vorherrschaft zurechtfinden. Er, der das westliche Leben kennt, betrachtet die Zustände natürlich mit anderen Augen als die übrigen Einheimischen. Er fühlt sich immer fremder und ausgeschlossener in dieser Umgebung. Algerien wird als ein in sich widersprüchliches Land präsentiert, in dem Fundamentalisten und weniger streng Gläubige in weltanschauliche Streitigkeiten gelangen.
Der Hauptkonflikt besteht zwischen der von manchen Frauen gewünschten Unabhängigkeit und den konservativen Vorstellungen vieler Männer. Die westlich orientierte Louisa wird von Ihrem Ehemann verstoßen und bringt nach Meinung der Einheimischen Schande über ihre Familie. Ihr Bruder zeigt keinerlei Verständnis für ihre Situation und schlägt sie. Kamel ist der einzige Mann, der einen aufgeklärten Standpunkt einnimmt und sie verteidigt.
Es ist die gespaltene Identität des Landes, welche im Mittelpunkt der Handlung steht und für westliche Zuseher einen informativen Einblick in die ländliche, algerische Gesellschaft bedeuten kann.
Erster Festivalbericht:
Der Eröffnungsfilm: The Queen
Der zwischen Queen Elizabeth II und dem frisch gebackenen Prime Minister Tony Blair aufgetretene Konflikt nach dem Unfall von Diana und der daraus folgende Popularitätsverlust der Monarchie werden hier auf teils sehr zynische Weise aufgearbeitet.
Helen Mirren rückt die Queen erstmals in ein nahes, menschliches Licht. Elizabeth II wird dadurch viel greifbarer als in den Medien und durch ihre Zurückhaltung in der Öffentlichkeit möglich wäre. Die Thematik dürfte nicht jeden ansprechen, da dieser mediale Starkult populärer, adeliger Menschen in den letzten Jahren immer wieder durch die Boulevard-Medien auf die Spitze getrieben wurde. Wer dieses Sättigungsgefühl bereits verspürt wird dem Film nach kurzer Zeit inhaltlich nicht mehr viel abgewinnen können. Auf der anderen Seite jedoch ist die stilistische Machart von The Queen relativ zurückhaltend und ausgefeilt. Es werden keine direkten Positionen eingenommen, sondern das Spannungsverhältnis zwischen Demokratie und Monarchie relativ unparteiisch übermittelt. Die Dialoge sorgen für relativ kurzweilige von Zynismus und Ironie geprägte Unterhaltung. Bei der Aufführung war der Drehbuchautor Peter Morgan zu Gast, der momentan auch in Wien lebt.
Im Anschluss an den Film gab es in der Urania die Eröffnungsparty mit Leafcutter John und den DJs dB und Justus Köhncke. Die Räumlichkeiten waren wie immer zum Brechen voll und die Lufttemperatur überstieg wie jedes Jahr jeden Rahmen von Erträglichkeit. Trotzdem herrschte gute Stimmung und das ist bei solchen Feiern das Wichtigste.
Laitakaupungin Valot (Lichter der Vorstadt)
Der dritte Teil von Aki Kaurismäkis Verlierer-Trilogie kann zwar nicht ganz an die herausragende Qualität der beiden Vorgänger anschließen, aber das heißt ja noch nichts im Vergleich zu anderen, gewöhnlichen Filmen. Etwas mehr inhaltliche Würze und Geschwindigkeit hätte dem Werk aber sicherlich nicht geschadet. Der stilistisch nahe am Film Noir anzusiedelnde Film ist eine konsequente Charakter- und Sozialstudie über das Leben als Verlierer in Helsinki. In einen gewohnt realistischen Background mischt Kaurismäki einen ausgewogenen satirischen Humor rein, der nicht durch Einzelszenen funktioniert, sondern immer nur durch den dramaturgischen Zusammenhalt. Manche Entscheidungen des Hauptcharakters lassen sich nicht ganz logisch nachvollziehen, sind aber durch dessen Verlierermentalität letztlich doch verständlich.
Die charmante Hauptdarstellerin Maria Järvenhelmi war bei der Aufführung im Gartenbau Kino zu Gast, wollte aber nicht allzu viel über den Film sagen, da sie die eigenen Interpretationen der Zuseher nicht beeinflussen möchte. Sie redete hauptsächlich über ihrer Arbeit und Beziehung mit Aki Kaurismäki und ihre erfolgreiche Musik-Karriere in Finnland.
Matthias Hüthmair (matthias_huethmair@filmnews.at)
Empfehlungen für die Viennale
Sechs europäische Filme wurden herausgesucht, die sich vom übrigen Programm aus verschiedenen Gründen hervorheben dürften. Genauere Beschreibungen und Kritiken (auch zu anderen Filmen) folgen während der Viennale.
The Queen
Der Eröffnungsfilm der Viennale von Stephen Frears, der auch für High Fidelity hinter der Kamera stand, beleuchtet den Konflikt zwischen Queen Elizabeth II und Prime Minister Tony Blair nach dem Unfall von Diana. Helen Mirren ist als großartige Charakterdarstellerin für die Rolle prädestiniert. Gute Unterhaltung wird erwartet.
Dans Paris
Christophe Honorés dritter Spielfilm ist ein Familiendrama, dessen Hauptdarsteller Romain Duris (bekannt aus „Der wilde Schlage meines Herzens“ – Viennale 05) und Louis Garrel (The Dreamers) dem Film das nötige Potenzial für eine gute Kinoauswertung geben. Sie sind mit Sicherheit zwei der besten französischen Schauspieler ihrer Generation.
Honor de cavalleria (Honor of the Knights)
Es ist die Verfilmung des sehr bekannten Literaturklassikers „Don Quijote“ von Miguel Cervantes. Der bisher wenig bekannte Albert Serra liefert hiermit seinen zweiten Langspielfilm. Beachtenswert ist der Verzicht auf Windmühlen, welche in der bisherigen Auseinandersetzung mit dem Buch einen relativ hohen Stellenwert einnahmen.
Iklimler (Climates)
Der bereits mehrmals ausgezeichnete türkische Regisseur Nuri Bilge Ceylan erlangte mit Iklimler die FIPRESCI - Auszeichnung in Cannes. Sein ebenfalls mehrfach ausgezeichneter Film Uzak wurde 2003 auf der Viennale gezeigt.
A fost sau n-a fost? (12:08 East of Bucharest)
Sechzehn Jahre nach den Unruhen beim Zusammenbruch des kommunistischen Regimes wird in einer Fernsehsendung an das Jahr 1989 gedacht. Wie die Wahrheit durch das Gedächtnis in diesen Jahren zerflossen ist, dürfte hier auf komische Weise durchleuchtet werden. Vielleicht kann wieder einmal bewiesen werden, dass die originellsten Komödien der letzten Jahre dem mit Leichtigkeit strotzenden osteuropäischen Humor entstammen. Rumänien konnte als aufstrebende Filmnation bereits letztes Jahr mit dem tragikomischen Drama „Der Tod des Herrn Lazarescu“ überzeugen.
Laitakaupungin Valot (Lights in the Dust)
Laitakaupungin Valot (Lichter der Vorstadt) ist der Titel des neuen Films von Aki Kaurismäki, der bekanntlich als einer der besten Autorenfilmer Europas gilt.
Der Nachtwächter Koistinen trifft eines Tages auf eine Blondine, welche ihm Informationen über einen möglichen Einbruch gibt. Schließlich wird er verhaftet, obwohl er unschuldig ist.
Der Film bietet mehrere Anspielungen auf den Film noir und war in Cannes für die Goldene Palme nominiert.
Matthias Hüthmair (matthias_huethmair@filmnews.at)
Programmvorschau
Die von 13. bis 25. Oktober stattfindende Viennale 06 bietet im Hauptprogramm rund 120 Spiel- und Dokumentarfilme.
Neben Filmen von Regiegrößen wie Robert Altman und Aki Kaurismäki, deren Filme schon auf der Berlinale bzw. in Cannes gespielt wurden, werden im Hauptprogramm auch einige internationale Premieren gezeigt werden.
Ein kleiner Auszug aus dem Spielfilm-Programm:
Sehnsucht – Valeska Grisebach (D 2006)
A prairie home companion - Robert Altman (USA 2006)
Laitakaupungin Valot - Aki Kaurismäki (Fin 2006)
Honor de Cavalleria – Albert Serra (E 2006)
Old Joy – Kelly Reichardt (USA 2005)
Analog Days – Mike Ott (USA 2006)
Der diesjährige Cannes-Sieger „The Wind That Shakes the Barley“ von Ken Loach wird nicht gezeigt werden, da ihn Direktor Hans Hurch im Kontrast zur Jury in Cannes als nicht wichtig genug empfindet. Auch Nanni Morettis in Cannes gespielter und viel diskutierter Film über Silvio Berlusconi „Il Caimano“ wird nicht aufgeführt. Weiters bleibt bis zur endgültigen Programmvorstellung noch offen, ob so große Werke wie „Babel“ von Alejandro González Iñárritu, „Southland Tales“ von Richard Kelly oder Guillermo del Toros „El Laberinto del Fauno“ gezeigt werden. Aber wohl eher nicht…
Im Dokumentarfilmprogramm wird dieses Jahr ein Schwerpunkt ausgewählten Musikfilmen gelten. Darunter Jonathan Demmes „Neil Young: Heart of Gold“ oder Lian Lunsons „Leonard Cohen: I’m your man”.
Eine Auswahl aus den weiteren Dokumentarfilmen:
Balordi - Mirjam Kubescha (D/I 2005)
De Terrorist Hans-Joachim Klein - Alexander Oey (NL/F/D 2005)
Hamburger Lektionen – Romuald Karmakar (D 2006)
Anger Me – Elio Gelmini (CAN 2006)
Auch das Kurzfilm-Programm ist wieder breit gefächert und hat sich bei der Viennale zu einer wichtigen Schiene des Festivals entwickelt.
Darunter auch folgende Werke:
Driver – Martin Brand (D 2005)
Kristall - Christoph Girardet, Matthias Müller (D 2006)
Toi, Waguh - Namir Abdel Messeeh (F 2005)
Tributes, Specials und Retrospektive:
Ein Tribute ist dieses Jahr den Schauspielerinnen Olivia de Havilland und Joan Fontaine gewidmet. Die beiden Schwestern gehören zu den großen Schauspielerinnen des „Goldenen Hollywood“. Aus diesem Grund werden Werke von Hitchcock, Fritz Lang, Max Ophüls, Nicholas Ray etc. zu sehen sein. Eine großartige und seltene Möglichkeit solche Filme endlich auf großer Leinwand zu sehen. Olivia de Havilland wird womöglich auch zu Viennale kommen.
Ein weiteres Tribute gilt dem mittlerweile fast vergessenen Peter Whitehead, der in den 60er Jahren wichtige Strömungen von Musik, Theater und Literatur dokumentierte. Darunter die Dokumentation „Charlie Is My Darling“ über die jungen und damals noch relativ unbekannten Rolling Stones, sowie „Wholly Communion“ über eine legendäre Dichterlesung in der Royal Albert Hall (mit Allen Ginsberg, Ernst Jandl! etc.). Er wird ebenfalls zur Viennale kommen.
Im Special „Tales from the Jungle“ wird das Motiv des Dschungels im Film durchleuchtet. Vom originalen „Tarzan“ mit Johnny Weissmüller bis zu Buñuels selten aufgeführten „Le Mort en ce jardin“ reicht die weite Bandbreite der Filmauswahl.
Mit „News from Home“ werden neue österreichische Dokumentarfilme vorgestellt. Dieses Programm kann auch als Reaktion auf die besonders erfolgreichen Kinoauswertungen österreichischer Dokumentarfilme in den letzten Jahren gedeutet werden.
Dazu zählt ein Film über die legendäre Palmers-Entführung im Jahr 1977, wie auch „Ich muss dir was sagen“ von Martin Nguyen über ein gehörloses Kind oder „Der Kärntner sprich deutsch“ von Andrina Mracnikar, der neue Blickweisen in die aktuelle Debatte der Ortstafeln eröffnen wird.
Ein weiteres Schmankerl der Viennale gilt allen Horror-Fans. Es werden die „Masters of Horror“ Filme gezeigt. In dieser Horror- Anthologie waren Regisseure wie John Carpenter, Dario Argento, Stuart Gordon, Takashi Miike etc. am Werk und produzierten Arbeiten, die die Horrorfilm-Geschichte aufarbeiten und auch neue Aspekte hinzufügen. Eine einmalige Gelegenheit diese Filme im Kino zu sehen!
Weitere Infos: www.viennale.at
Matthias Hüthmair (matthias_huethmair@filmnews.at)