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Interview mit Peter Torwarth- Regisseur von "Goldene Zeiten "

TorwarthBeginnen möchte ich mit der Frage nach deinen filmischen Vorbildern. Beim Ansehen deiner Filme habe ich mir gedacht es liegt nahe, dass so jemand wie Guy Ritchie dein Vorbild sein könnte. Stimmt das tatsächlich? Oder ist das ein Trugschluss?

Es ist lustig, dass die Assoziation zu Guy Ritchie mal wieder auftaucht, weil Bang Boom Bang ist ja damals noch vor Bube, Dame, König, Gras rausgekommen. Es war eigentlich zeitgleich, dass die Sachen irgendwie sehr ähnlich waren [...] Kann schon sein, dass da Parallelen sind, aber hauptsächlich sind die Parallelen, dass es unglaublich viele Figuren gibt. Wobei ich bei Guy Ritchie auch das Gefühl hatte, dass das mehr so Comic-Figuren sind [...], mit denen man dann emotional nichts verbindet, wenn die über’n Haufen geknallt werden. Und mir ist dass dann schon sehr wichtig gewesen, dass das Figuren sind, die fix verankert in der Alltagswelt sind ... Und, na klar, es wird dann hinterher auch sehr bösartig und blutig und so. Da wäre natürlich dann auch irgendwie der Bogen zu spannen zu Tarantino, oder wie auch immer ... Aber klar: Bube, Dame König Gras hat mir auch Spaß gemacht. Gerade die Machart von solchen Filmen. Und da bleibt man natürlich nicht unbeeinflusst.

Torwarth RegisseurUnd haben Sie dann richtige filmische Vorbilder?

Ich geh eigentlich mit offenen Augen durch die Gegend. Und lass’ mich inspirieren von Dingen, die ich sehe. Und nicht unbedingt von allem was ich gern sehe, sondern auch von etwas, das ich nicht unbedingt gerne sehe. Aber, weißt du, man lädt sich natürlich auf mit Dingen, die man dann irgendwie wieder los werden möchte. Und dazu ist der Film mein Medium, um die Dinge, die sich so bei mir aufgestaut haben auch wieder los zu werden.

Was wollen Sie beim Zuschauer bewirken? Was wäre Ihre Lieblingsreaktion? Außer Lachen an den richtigen Stellen und Freude über den Film?

Also ich hab’ mich ja hier was den Humor angeht, eigentlich zurückgenommen. Also der Film ist jetzt irgendwie nicht so unbedingt auf Lacher ausgelegt. Ich hab’ zwar immer wieder Lacher gesetzt; vor allem auch an Stellen, wo’s teilweise so hart wird, dass man vielleicht mit Lachern das wieder ein bisschen aufbrechen kann. Aber eigentlich gefällt mir die Stimmung, wie sie jetzt zurückbleibt schon ganz gut, weil ich glaube, dass die Leute sehr nachdenklich sind. Und ich glaube aus dem Film gehen auch Leute raus, und haben noch nicht wirklich eine Meinung zu dem Film, könnten jetzt gar nicht sagen, ob er ihnen gefallen hat, oder nicht. Und was ich also beobachte, ist, dass der Film eine Langwirkung hat: dass die Leute nach ein, zwei Tagen oder wenn sie den Film sogar irgendwann noch ein zweites Mal sehen, ihn noch mal komplett anders aufnehmen, als das eigentlich ursprünglich der Fall war.
Ich hab ja mit Was nicht passt, wird passend gemacht (ich weiß gar nicht ob der in Österreich lief, aber in der Videothek gibt’s den) eine Komödie abgeliefert, die so einn ganz direktes Feedback erzeugt. Das ist eine ganz typische Komödie, da wird sofort gelacht. Aber das Lachen ist auch genauso schnell wieder vergessen, wie’s verklungen ist. Und ich glaube, dass dieser Film [Goldene Zeiten] eine andere Nachwirkung hat und darauf bin ich eigentlich sehr stolz.

Regisseur Goldene ZeitenWieso am Ende diese moralische Note? Alle Bösen werden ja irgendwie geschnappt und Ingo kommt heil aus der Sache raus.

Ne, er kommt ja nicht wirklich heil raus. Aber er sieht die Dinge jetzt anders. Und ich glaube, dass man schon irgendwie am Ende ganz gerne noch jemanden haben möchte. Ich habe ein bisschen Hoffnung gestreut, dass er vielleicht jetzt, indem er sich in Zukunft vielleicht anders verhält – [mit desillusioniertem Unterton] vielleicht auch nicht –die Dinge anders angeht. Und vielleicht hat deswegen ja sogar die leicht angedeutete kleine Liebesgeschichte auch Erfolg. Die einzige Moral von der Geschichte ist: „Sei wirklich so, wie du bist“ ... „und versuch’ nicht Anderes darzustellen“. [...] Ich finde im Leben gibt’s das ja eigentlich nie, dass man sich komplett ändert, sondern viele Dinge, die man so erlebt, beeinflussen einen. Und was Ingo am Ende des Films in die Kamera sagt, sagt er ja auch gar nicht um das Mädchen zu erobern, sondern das ist ja die Selbsterkenntnis. (Noch bevor ihm der Arm gebrochen wird!) Und ich glaube, dass die Figur daraus gelernt hat. [...] Ich glaube, wenn man etwas angeht und von vornherein irgendwie sagt „Okay, so bin ich halt“, [...] geht man ehrlicher durch die Welt und man macht sich vieles einfacher.

Welcher von den drei Filmen der Unna-Trilogie – das ist eine schwere Frage, ich geb’s zu – liegt dir persönlich am meisten am Herzen? Und warum?

Ja, Goldene Zeiten wahrscheinlich, weil’s der aktuellste ist.
Ich sag mal Bang Boom Bang kuck’ ich mir nach wie vor gerne wieder an. Ich glaub’ mittlerweile auch Was nicht passt ...[wird passend gemacht] . Es gab eine lange Zeit wo Was nicht passt... mir nicht soviel Spaß gemacht hat, weil ich den eigentlich als ein bisschen einfach gestrickt empfunden habe. Aber ... man setzt sich natürlich mit allen seinen Sachen auseinander und ... mit ein wenig Abstand gibt’s dann überall Dinge, die mir dann wieder Spaß machen und Dinge, die mir dann auch nicht gefallen. Ich glaub’ das ist ganz normal.

Goldene ZeitenPlanst du noch einen vierten Teil – einfach, um die Trilogie zu sprengen? Oder ist jetzt einmal genug?

Ja, also ich würde da jetzt keinen Druck draus machen. Wenn mir wieder eine Geschichte einfällt, die dort spielt, würd’ ich das auch machen. Aber ich muss jetzt nicht auf immer und ewig wieder dahin zurück gehen, um meine Geschichten zu machen.

Und hast du jetzt neue Projekte? Gibt’s schon eine Idee?

Ja ... Ich bin jetzt noch mal ein paar Tage weg und wenn ich wieder da bin, fang’ ich an zu schreiben. Und jetzt aktuell schreib’ ich an einer Mittelalter-Geschichte. Und jetzt muss man mal kucken irgendwie ... Und ich entwickle grade ein paar andere Stoffe parallel. Muss man mal kucken was als nächstes reif wird und was man auch finanziert kriegt, um das dann zu machen.

Das wird spannend! [...] Das wird dann mal was anderes, was unerwartetes, wahrscheinlich!

Ja ... mal abwarten ... Obwohl das hier jetzt, glaub’ ich, auch sehr unerwartet war für die Meisten, weil die Meisten haben sich definitiv eher eine Komödie versprochen.

Ich hab’ auch gelesen, dass es dir Spaß macht Filme zu machen, die nicht leicht  in bestimmte Genres einzuteilen sind.

Es ist ja eigentlich eigenartig, dass der Zuschauer offensichtlich immer ein Genre erwartet. Aber, ich finde, das Leben ist ja auch kein Genre. Und wenn man tragische Dinge nimmt und darüber lachen kann ... wie auch immer ... das war mir auch sehr wichtig.
Woher kennst du denn Bang Boom Bang?

Ich hab Goldene Zeiten gesehen und mir gedacht: „Es kann nicht schaden, wenn ich was anderes auch gesehen hab“ und der war – mir persönlich – fast lieber. Einfach weil er leichter ist. Da wird es am Ende nicht so beklemmend. [fast rührselig:] Dass zum Beispiel Kettwig gestorben ist hat mir dann schon sehr leid getan ...

[Thorwarth schmunzelt] Ja kuck mal, es gibt ja, schon so eine Sehnsucht nach einer Moral, und die verkörpert der Kettwig auch. Und die wird natürlich irgendwann systematisch ausgeschaltet. ... So ist es manchmal – bösartig. [Wir lachen]
 
Was mir wieder leid getan hat: dass die Russen geschnappt wurden, weil die waren irgendwie ehrliche Gangster einfach. Die waren nämlich professionell! Die hätten sich’s fast verdient davonzukommen ...

[Thorwarth amüsiert] Das find’ ich lustig, dass du da mit denen auch irgenwie mitleidest. Aber irgendwie ... berührt’s dich dann ja irgendwo emotional, wenn dir was leid tut und so ...
Ich finde, hin und wieder muss man ja auch Scherze streuen. Aber ich finde halt: Wenn man so ein Thema macht, und man schon will, dass die Leute vielleicht so ein bisschen irritiert aus [dem Kino] rausgehen, kannst du sie nicht einfach nur mit Gewalt zuknall’n ...

Eine letzte Frage hätte ich noch ...

Ja klar.

Goldene ZeitenMit welchem Schauspieler würdest du denn gerne noch arbeiten, nachdem du schon so viele abgedeckt hast?

Grundsätzlich arbeite ich natürlich immer gerne mit den Leuten, mit denen ich schon zusammengearbeitet habe. Ja, also kuck mal Christian [Kahrmann] ist gerade hier ...
[Kahrmann ironisch]: Ich kann auch wieder weggeh’n
Nein, mich verbinden ja dann auch große Freundschaften, also zu allen ... Zu Wolf Roth und mit Dirk Benedict bin ich im Kontakt. Wir [Thorwarth und Christian Kahrman] sind jetzt gerade gemeinsam Schi fahren und Wotan [Wilke Möhring] ist auch ein guter Kumpel und so. Also grundsätzlich – oder Ralf Richter, oder wie auch immer – arbeite ich gerne mit den Leuten zusammen, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe. Und der Mark [Zak] ist natürlich auch irgendwie mein Jugend-Idol ... Dann mit dem zu arbeiten ... Oder wie das hier mit Dirk Benedict der Fall war. Ja, muss man mal kucken, was man da in Zukunft noch auf die Beine stellen kann.

Also öffnest du dich Richtung international – schauspielermäßig?

Naja, ich schiele jetzt nicht irgendwie nach großen Namen. Sondern ich versuche eigentlich immer dann, wenn ich eine Rolle geschrieben hab’, den Schauspieler [zu finden], der diesem Charakter dann gerecht wird.

Denkst du zuerst die Rolle und dann den Schauspieler dazu? Oder auch umgekehrt?

So teils/teils. Ich kann das gar nicht immer sagen. Aber meistens ist es so, dass ich erst an die Rolle denke und dann [an] den Schauspieler dafür. Oder dass ich manchmal ... nee. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich gerade jemanden gerne mag und dann einfach eine Rolle reinschreibe . Das ... ergibt sich.

Was ist eigentlich die Rolle von Wotan Wilke Möhring in Bang Boom Bang? Die ist ja rausgeschnitten ...

Die kommt aber auf dieser DVD jetzt heraus. Wotan ist ursprünglich mal von mir für die Keek-Figur gecastet worden. Das hat aber dann nicht gepasst, weil der zu ähnlich war wie – und der war damals schon gecastet – wie Markus Knüfken, der den Andy spielt. Und da war Olli Korittke dann sicherlich irgendwie der bessere dafür. Das meine ich damit die Leute danach zu besetzen, wie sie auf die Figuren passen. Aber da wir [Thorwarth und Möhring] uns sehr sympathisch waren, und sich daraus eine Freundschaft ergeben hat, hab’ ich ihn damals dann gefragt, ob er einen kleinen Auftritt machen möchte. Wie gesagt: die Szene wird dann auf der DVD von Goldene Zeiten d’rauf sein.

Das Interview führte Jana Havlik (jana_havlik@filmnews.at)

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