Diagonale 2009 - Highlights
Matthias Hüthmair (matthias_huethmair@filmnews.at) berichtet für filmnews.at von der diesjährigen Diagonale in Graz
Mit Universalove schafft es Thomas Woschitz einen Film abzuliefern, der es versteht eine durchwegs beeindruckende Harmonie zwischen Bildern, Inhalt und Musik abzubilden. In den Städten Marseille, Tokio, New York, Belgrad und Rio de Janeiro wird das Thema Liebe anhand von verschiedenen Schicksalen von Menschen in schwierigen Liebessituationen bearbeitet.
Selten gleitet der Film etwas ins Melancholische ab, was aber bei diesem Thema auch beinahe nicht zu vermeiden ist. Der erste Spielfilm des Regisseurs wurde unter anderem auch mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichnet und ist sicherlich eine der besten österreichischen Arbeiten des letzten Jahres.
Herausragend sowohl in seiner Innovationskraft wie auch in seiner daraus resultierenden unvergleichbaren Unterhaltsamkeit war The Making of Futbol von Helmut Köpping und Michael Ostrowski. Der Film gestaltet sich als ein Making-of zu einer dem Untergang geweihten Dokumentation über Ostrowskis Jugendverein SV Rottenmann. Untermalt von Franzobels Weisheiten über wahren, unverfälschten Fußball und seinen Einfluss auf das Leben der Menschen ist der Film die möglicherweise kurzweiligste, dabei aber nie ins Banale abgleitende Produktion der heurigen Diagonale. Es ist dabei schwer zu entscheiden was Wirklichkeit und Fiktion ist, denn alle Protagonisten spielen sich selbst. Der Film wurde vom ORF für die Euro08 geplant, schließlich aber leider abgelehnt und nie ausgestrahlt. Wer irgendwie die Möglichkeit bekommt an einem Screening des Films teilzunehmen, muss dies unbedingt wahrnehmen.
Die Dokumentation PianoMania porträtiert die Arbeit des Klaviertechnikers Stefan Knüpfer der unter anderem die Klaviere für Pierre-Laurent Aimard, Lang Lang oder Alfred Brendel einrichtet.
Ständig auf der Suche nach der Perfektion des Klanges gibt das Werk einen seltenen Blick hinter die Kulissen des Musikbetriebs am Wiener Konzerthaus. Ein Film, der hoffentlich nicht nur bei allen Klavierbegeisterten oder Freunden der klassischen Musik auf offene Ohren und Augen stoßen dürfte.
Auch das Nachtleben darf bei solch einem Festival nicht untergehen und wurde von der Diagonale auch außerordentlich erfolgreich organisiert. So war die Postgarage die wichtigste Location für verschiedene Parties, die bis in die späten Morgenstunden dauerten. Besondere Aufmerksamkeit ist hier auf die Feier von Contact High und Das Vaterspiel in der Halle 2 der Postgarage zu legen, da hier der Hauptdarsteller Michael Ostrowski in wirklich professioneller Form selbst zu den Plattenspielern griff.
Die Diagonale-Preise 2009
Großer Diagonale-Preis Spielfilm: Michael Glawogger (Das Vaterspiel)
Großer Diagonale-Preis Dokumentarfilm: Constantin Wulff (In die Welt)
Diagonale-Preis Innovatives Kino der Stadt Graz: Michael Palm (Laws of Physics)
Diagonale-Preis der Jury der Diözese Graz-Seckau: Bernhard Braunstein und David Gross (Pharao Bipolar)
Diagonale-Preis der Jugendjury des Landes Steiermark: Marvin Kren (Schautag)
Diagonale-Preis Schnitt des Verbandes Film- und Videoschnitt aea: Anja Schürenberg(Rimini/ Spielfilm) und Michèle Barbin (PianoMania/ Dokumentarfilm)
Diagonale-Preis Bildgestaltung des Verbandes Österreichischer Kameraleute AAC: Enzo Brandner (UNIVERSALOVE / Spielfilm) und Nikolaus Geyrhalter 7915KM / Dokumentarfilm)
Diagonale Publikumspreis: Marco Antoniazzi (Kleine Fische)
BMUKK-Würdigungspreis für Filmkunst: Götz Spielmann
BMUKK-Förderungspreis für Filmkunst:Billy Roisz und Peter Schreiner
Preis Innovative Produktionsleistung der VAM Verwertungsgesellschaft für audiovisuelle Medien GmbH: Dor Film (Hexe Lilli) und Bonusfilm (Echte Wiener)
Warum Das Vaterspiel von Michael Glawogger gewonnen hat, konnte von vielen Journalisten nur schwer nachvollzogen werden. Glawogger war dieses Jahr gleich mit zwei Filmen vertreten, mit Contact High und Das Vaterspiel, beides sicherlich nicht seine besten Arbeiten. Alle anderen vergebenen Preise gehen dafür völlig in Ordnung.
In Graz findet gerade die Diagonale 2009 statt. Bis 22. März werden in vier Grazer Kinos insgesamt 237 Filme und Videos gezeigt. Daneben gibt es Specials, die sich mit Mara Mattuschka und Stefan Krohmer beschäftigen.
Mit dem Spielfilmdebüt "Kleine Fische" des Südtiroler Regisseurs Marco Antoniazzi wurde die Diagonale 2009 gestern in der Grazer Helmut-List-Halle eröffnet.
Als "charmante und unterhaltsame Komödie" bezeichnete die neue Leiterin des Festivals des österreichischen Films, Barbara Pichler den heurigen Eröffnungsfilm. Die ungleichen Brüder Kurt (Volker Schmidt) und Martin (Martin Steinocher) treffen sich nach jahrelanger Entfremdung beim Begräbnis ihres Vaters wieder. Darauf entbrennt ein Streit um die Verwendung des kleinen Fischladens, den der Vater den Söhnen vererbt hat. Als Co-Autor von "Kleine Fische" fungierte der Steirer Gregor Stadlober, produziert wurde der Film von Franz Novotny.
Zur Eröffnung des Festivals des österreichischen Films wurde zum zweiten Mal der Diagonale-Schauspielpreis in zwei Kategorien vergeben. Hier konnte der momentan im Kino laufende „Der Knochenmann“ kräftig abräumen.
Großer Diagonale-Schauspielpreis 2009
für herausragende Leistungen einer österreichischen Schauspielerin/eines österreichischen Schauspielers im österreichischen Film wurde an Josef Hader verliehen.
Auszug aus der Begründung der Jury:
„Wieder fiel es der Jury fast unverschämt leicht, einen Schauspieler zu ausfindig zu machen, dem große Verdienste um den österreichischen Kinofilm zukommen. Einen Mann, der in über einem Dutzend Streifen prägend mitgewirkt hat und für dessen jüngsten Film „Der Knochenmann“ das heimische Publikum derzeit Schlange steht. Dessen Live-Auftritte von Lienz bis Lübeck ausgebucht sind. […] Sein markantes Gesicht, seine stets forschenden Augen, sein perfektes Timing ließen ihn zu einem der ganz Großen vor der Kamera werden. Zu einem – auch wenn er es mit Grausen hört – wirklichen Film-Star.“
Diagonale-Schauspielpreis 2009
für einen bemerkenswerten Auftritt einer österreichischen Schauspielerin/eines österreichischen Schauspielers in einem Film der Diagonale 2009 wurde an Birgit Minichmayr vergeben.
Auszug aus der Begründung der Jury:
„Diese Schauspielerin verwandelt sich in eine Frau, die uns allen bekannt vorkommt, die „ganz normal“ ist und dann doch mit ihrem Lachen, ihren Reaktionen, ihrem Schweigen, ihrer Präsenz überrascht. Man fragt sich, wie sie das macht? Vor allem der feine, zärtliche Humor, den sie spürbar macht und die Liebesgeschichte, die sie erzählt, berühren. Sie schafft es, in einer hässlichen Location, mit unbarmherzig hartem Licht, in eiskalter Atmosphäre zu flirten!“
In den kommenden Tagen werden weitere Neuigkeiten zum Festival und auch Reviews zu manchen Filmen online gestellt.
Matthias Hüthmair - matthias_huethmair@filmnews.at